Hiring Manager – ein Beruf im Wandel

Vor 10-15 Jahren war die analoge Welt noch in Ordnung. Die Personalabteilung war klar abgegrenzt und eingeordnet im Bereich der allgemeinen Firmenadministration. Eher unauffällig zwischen den Fachabteilungen Finanzen und Einkauf.

Eher unaufgeregt und linear fand der Bewerbungsprozess nach einem klar erkennbaren Muster statt und hohe Budgetanforderungen aus der Personalabteilung waren nicht zu erwarten. Alles war planbar und leicht reproduzierbar. Eine heile Welt in der der potentielle Kandidat sich pro-aktiv um einen Arbeitsplatz bemühte, eine schriftliche Bewerbung einreichte um im nächsten Schritt dann eventuell zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Als sich der Druck zu erhöhen begann und Begriffe wie „time-to-hire und cost-per-hire“ aus den Finanzabteilungen auch ihren Weg zur Personalabteilung fand, begann schleichend der Wandel. Hiring Manager sahen sich zunehmend mit messbaren KPI´s konfrontiert und rückten zentraler in die Wahrnehmung anderer Fachabteilungen wie Produktion und Sales. War die Produktion rückläufig oder die Umsatzzahlen waren schlecht, war es leicht die Verantwortlichen dafür innerhalb im Recruiting zu finden. Um den gesteigerten Anforderungen gerecht zu werden, wurden (und werden) die Hiring Aktivitäten kurzum outgesourced zu spezialisierten Agenturen. Der Aufstieg und Erfolg der Staffing Agenturen begann.

Da dies einen erheblichen finanziellen Aufwand bedeutete, war eine Einhaltung der messbaren Erfolgsgrößen unabdingbar und jährliche Budgetplanungen wurden zunehmend schwieriger, da die Kosten massiv stiegen. Ein Erfolgsdruck wurde zwar ausgelagert, doch ein anderer blieb. Hier befinden wir uns zum Teil auch heute noch, doch dies ist erst der Anfang der Reise, die ein Hiring Manager in den Zeiten von elektronischen Medien beschreitet.

Die Personalabteilung  bzw. der Personaler von heute, ist ein zentraler Punkt der gesamten Organisation, von dem Erfolg und Misserfolg in erheblichem Maße abhängen. Er vereinigt multiple Management Rollen in einer Person und übt wahrscheinlich einen der herausfordernsten Jobs der heutigen Zeit aus.

Der Hiring Manager von heute ist:

  1. Project Manager.

Die Vielzahl der Kanäle auf denen sich ein HR-Manager bewegen muss, erfordert ein höchstes Maß an Organisationstalent und Priorisierung. Dabei steht die Dokumentierung und die Auswertung der Daten immer mehr im Vordergrund, um dadurch stichhaltige Analysen zu bekommen. Diese sind notwending um Messbarkeit und Effektivität darlegen zu können. Zusätzlich müssen Resourcen gemäß den Anforderungen zielgerecht verteilt und geplant werden, um Überkapzitäten zu vermeiden und erfolglose Talentquellen frühzeitig zu erkennen. Zeitliche Flexibilität und Belastbarkeit sind unabdingbar, da die Kommunikation des Headcountbedarfs oftmals erst verspätet und bereits mit hohem Handlungsdruck kommuniziert wird.

  1. Marketing/Content Manager.

„Best recruiters act like marketers“ ist eine Erkenntnis der aktuellen Arbeitsmarktsituation. Potentielle Bewerber haben eine völlig veränderte Wahrnehmung in Bezug auf die Außdarstellung Ihres Wunscharbeitgebers. Der heutige Kandidat ist mündiger und informierter und hat bereits eine konkrete Vorauswahl getroffen, bevor er überhaupt in Betracht zieht aktiv auf einen Arbeitgeber zuzugehen. Arbeitgeber Bewertungsportale und Social Media haben einen entscheidenen Einfluss auf die Arbeitgebermarke (employer branding). Diese Marke will entwickelt, weiterentwickelt und geplegt werden. Dies bedeutet einen hohen Zeitaufwand und oftmals scheitert es schon an sinnvollem Content und Testemonials. Hiring und Recruiting im Zeitalter digitaler Medien verlangt vom Hiring Manager eine hohe Affinität zu diesen Kanälen und eine Bereitschaft, sich darauf einzulassen.

  1. Einkauf/Procurement Manager

Im linearen Bewerbungsprozess waren die einzigen Ansprechpartner regionale und überregionale Zeitungen und Verlage. Zusätlich noch Messekosten. Der Aufwand von Einkaufsverhandlungen war überschaubar. Heute sind ein ATS (Application Tracking System) und Auswertungen mit Business Analytics Tools eine Voraussetzung dafür, um eine verlässliche Auswertung der Qualität und Quellen zu gewährleisten und zu verstehen. Hat sich die Awareness meiner Arbeitgebermarke erhöht ? Rechtfertigt dies eine Investition? Welche Rabatte oder discounts können wo verhandelt werden? Welcher Job Board oder Social Media Anbieter passt zu meiner Zielgruppe? Welchem Budgettopf ist diese Investition zuzuordnen?

All diese Tätigkeiten finden sich im heutigen Alltag des Hiring Managers wieder. Der Kampf um die besten Talente tobt seit Jahren erbittert und der Mangel an Fachkräften, macht die Arbeit des Personalers nicht gerade leichter. Ich bin beeindruckt über die hohe Motivation der Menschen die, ich in diesen Fachabteilungen bisher kennenlernte und habe ein großes Verständnis für den Mangel an Zeit den so mancher Hiring Manager hat. Wie erleben Sie den Wandel als Hiring Manager oder als Angestellter in der Personalabteilung? Finden Sie sich hier wieder? Was für einen Rat können Sie anderen Kollegen geben?

Advertisements
%d bloggers like this: