Ein Freund ist gegangen

Ich habe eine kurze Zeit überlegt. Ist ein Blog das richtige Medium seine Trauer darzustellen? Ist es ein Zeichen unserer Zeit, unseres ständigen extrovertierten Verhaltens in sozialen Netzwerken? Wenn geteiltes Leid, halbes Leid ist, kann es ja nicht ganz so verkehrt sein diesen Weg zu wählen. Wenn ich auf diesem Wege den Schmerz auf die vielen Schultern unzähliger Tier- und Hundebesitzer verteilen kann, so dass am Ende für mich nur noch schöne Erinnerungen übrig bleiben, dann ist es wohl richtig. Zumindest für mich. Also bitte teilt diesen Beitrag.
Ich bin Hunde – nein, Dackelbesitzer. Vielmehr ich war es bis gestern Abend. Die Spritze einer Überdosis Anästhesiemittels hat meinem Dackel Bruno sanft und gewollt das letzte Bisschen Leben genommen. Es passierte innerhalb von Sekunden, schneller als erwartet. Meine Frau hielt ihn in ihren Armen und sein Kopf drückte sich leblos in ihren Arm. Brunos Blick war trüb und er hatte nicht den Hauch von Kraft für eine letzte Gegenwehr. Er war einfach fertig, einfach kraftlos. Er wollte Leben, auch noch an seinem Todestag, doch sein Herz hat ihm diesen Wunsch versagt. Seines hat gestern gegen halb sieben aufgehört zu schlagen – meines ist seitdem ein Stück weit beschädigt.
Dieser Blogbeitrag richtet sich an Tier- und Hundebesitzer die diesen Schmerz empfinden können oder ihn noch vor sich haben. Bruno wurde knapp 12 Jahre alt. Wir hatten uns noch ein paar Jahre mehr gewünscht, doch auch diese 12 Jahre sind eine unglaublich lange und prägende Zeit. Natürlich ist man sich vom ersten Tag an, an dem ein unglaublich süßer Welpe, das ganze Familienleben auf dem Kopf stellt darüber im Klaren, dass der Rest der Familie dieses Neumitglied rein biologisch überleben wird. Doch hey, wer denkt während dieser Zeit an Abschied. Er ist so weit weg, dass dies zu keiner Zeit ein Thema ist. Der Hund ist da, Bruno war da. Er besetzt Dein Leben, einen Großteil Deiner Zeit und wahrscheinlich auch Deine Couch. Man trifft oft auf Unverständnis bei Menschen, die ihre eigene Entscheidung getroffen haben, einem Tier nicht einen Teil ihres Lebens zu Opfern – oder natürlich auch auf solche, die verantwortungsbewusst genug sind um zu erkennen, dass in ihre Lebenssituation einfach kein Tier passt. Doch nur Besitzer eines eigenen Hundes können diese tiefe Integration in die Familie nachempfinden.
Ich möchte mich davon freisprechen einen Hund als Kindesersatz zu sehen oder ihn als solches zu behandeln. Das ist nicht meine Art. Ich stopfe ihn weder mit Pralinen voll, ziehe ihm merkwürdige Flokati Mäntel mit Glitzer an, noch schlafe ich mit ihm in einem Bett. Nun ja, dass mit dem Bett will ich vielleicht nicht ganz verneinen. Ein Hund ist für mich einfach da und es ist gut so dass er da ist. Bruno war freundlich, anspruchslos und eben anders als Menschen vorurteilsfrei und nicht nachtragend. Habe ich mich über ihn geärgert, ihn heftig ausgeschimpft und danach das Haus verlassen, so hat er mich nach meiner Rückkehr freudig empfangen. Sich ehrlich und tief einfach nur gefreut. Wo hat man das schon? Es sind diese Kleinigkeiten die einem 1000-fach das wiedergeben, was einem der Hund vielleicht an Zeit nehmen mag. Ich habe keine Sekunde mit Bruno bereut. Urlaube mussten hundegerecht geplant werden, Wohnungen konnten wegen der Haltung von Hunden nicht bezogen werden usw. Ich wurde dadurch zum Camper. Es hat mir nicht geschadet.
Jetzt ist diese Zeit vorbei und ich schreibe diesen Beitrag in unendlich trauriger Stimmung. Es war erst gestern und es wird sicher noch eine ganze Zeit dauern, bis ich wieder bereit bin mich über Dinge zu freuen.
Abschied nehmen fällt nicht leicht und ich fühle mich einfach ausgelaugt. All Ihr Tier- und Hundebesitzer da draußen. Schnappt Euch Euren Hund, zieht Euch eine warme Jacke an und geht den letzten Gassi Gang vorm Schlafen gehen mit Genuss. Ihr geht zusammen mit einem Freund. Wie oft hatte ich keine Lust mich von meinem Sessel zu erheben und in meiner Jogginghose bei Schnee und Regen fröstelnd durch die Nacht zu gehen. Bruno fand es immer klasse. Er war mein Freund. Mein Freund ist nun gegangen.

Bruno - my fellow

Bruno – my fellow

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About monissen
- raised up analogue - arrived in the digital age - now working in Munich - living in Bremerhaven - lived and worked in Dublin, Ireland - the heart of IT, and fell in love - lived and fell in love in and with Andalusia before - born in Northern Germany, Eckernförde - affinity for lyrics in general - like reading - like running - enjoying life

One Response to Ein Freund ist gegangen

  1. mina2509 says:

    Dein Bruno sah oder sieht auf dem Foto richtig hübsch aus. Ich bin auch Dackelfan und habe ein schwarz rotes Rauhaarmädel zu Hause. Vielleicht magst du ja noch mehr über Bruno und eure Zeit erzählen. Ich würde mich über Dackelgeschichten freuen. Liebe Grüße in der schweren Zeit.

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